Bayern Neun Jäger offenbar an Hasenpest erkrankt

Bei einer gemeinsamen Jagd sollen sich in Bayern neun Männer mit dem Erreger der Hasenpest angesteckt haben - sie werden bereits im Krankenhaus behandelt. Wie häufig sind die Infektionen und was hilft?

Feldhasen
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Feldhasen


In Bayern haben sich offenbar neun Jäger mit der sogenannten Hasenpest infiziert. Die Männer sollen Medienberichten zufolge bei einer gemeinsamen Jagd bei Nabburg mehrere Hasen geschossen, ihnen das Fell abgezogen und sie ausgenommen haben. Dabei könnten sie sich mit den Bakterien infiziert haben, die die Hasenpest auslösen. Derzeit befinden sich die Männer offenbar zur Behandlung in verschiedenen Kliniken.

Ausgelöst wird die Hasenpest, auch Tularämie genannt, von Bakterien der Art Francisella tularensis. Die Erreger befallen vor allem Feldhasen. Ebenso sind Kaninchen und Nagetiere hochempfänglich, schreibt ein Team von Infektiologen und Veterinären im "Schweizer Archiv für Tierheilkunde".

Übertragung von Tier auf Mensch

Katzen, Hunde, Schafe, Rinder, Pferde, Vögel - und Menschen - erkranken normalerweise nicht so leicht. In Deutschland werden dem Robert Koch-Institut (RKI) pro Jahr etwa 20 bis 30 Tularämie-Fälle bei Menschen gemeldet. Das Institut geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Krankheit kann - wie offenbar im Fall der infizierten Jäger - beim Kontakt mit kranken Tieren auf den Menschen übertragen werden. Ebenso sind Übertragungen durch belastete Lebensmittel, Wasser oder Staub (etwa bei Heuarbeiten) oder durch Zeckenbisse bekannt. Von Mensch zu Mensch wird die Krankheit nach heutigem Kenntnisstand nicht übertragen.

Typisch sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Unwohlsein. Daneben sind die Beschwerden aber von Fall zu Fall oft sehr unterschiedlich: Mal entstehen Hautwunden, mal schwellen die Lymphknoten an. Der Hals schmerzt oder der Bauch tut weh, es kann auch zu Atemnot, Brustschmerzen und Lungenentzündungen kommen.

Wird die Infektion nicht behandelt, endet sie dem RKI zufolge in 30-60 Prozent der Fälle tödlich. Es gibt jedoch eine Reihe wirksamer Antibiotika, die möglichst früh genommen werden sollten. Zum Schutz vor der Hasenpest rät das RKI beim Kontakt mit toten Wildtieren dazu, Handschuhe zu tragen und gegebenenfalls eine Atemmaske. Außerdem solle Fleisch von Hasen und Kaninchen nur gut durchgegart verzehrt werden.

hei/wbr

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permissiveactionlink 07.11.2018
1. F. tularensis
ist als Biowaffenerreger der Kategorie B eingestuft, mit mittlerer Lethalität und recht guter Handhabbarkeit in Bezug auf Maßnahmen zur Eindämmung. 30 - 60 % Lethalität bei nicht erfolgender Behandlung sind ein beängstigender Wert. Im kalten Krieg wurde der Erreger in der ehemaligen Sowjetunion ("Biopräparat") durch Resistenzplasmide scharf gemacht, die das Bakterium resistent gegen zahlreiche Antibiotika machten und z.B. als Aerosol dann extrem infektiös und lethal ist. Die Bakterien wurden damals übrigens in Fermentern im Tonnenmaßstab produziert. Die Hasenpest ist eine sehr gefährliche Infektionskrankheit, die man nicht unterschätzen sollte.
tailspin 07.11.2018
2. Wie jetzt, gut durchgekocht?
Essen soll man die Biowaffen Hasen auch noch?
hal5000 07.11.2018
3. 3. Wer sich in Gefahr begibt...
Ihr Beitrag ist ein widerlicher Beitrag.
isistgt 07.11.2018
4. An Wegen
Menschenverachtung ist mindestens genauso widerlich wie Tierquälerei. Wobei Jagd richtig und im rechtlichen Rahmen ausgeführt gewiss keine Tierquälerei ist.
UweGroßberndt 08.11.2018
5. Schon interessant
Hier scheinen Jäger und Tierfreunde(Schützer) wieder auf einander zutreffen. Schön zu sehen :-) Bei unseren Jägern gibt es sicherlich reichlich unangenehme Zeitgenossen. Nebenbei angemerkt "... es könnte ihnen ein Jagdunfall passieren" kann je nach Umstand, Richter und Staatsanwalt als Androhung eines Straftat ausgelegt werden, gleich falls die Androhung einen Hund zu erschießen. Leider gibt es noch solche Typen. Meine Empfehlung in jedem Falle eine Anzeige erstatten. Bei unseren Tierschützern gibt es auch reichlich in die Irre geleitete Menschen. Es werden Straftaten begangen zum vermeintlichen Wohle des Tieres, als da wären Einbruch, Diebstahl, Verleumdung und Körperverletzung. Nun noch was zu unserem Freund Tularämie. Viele Krankheiten die nicht vom Wirt auf den Menschen übertragbar waren sind es geworden. Das sollte uns nachdenklich stimmen. Ob das mit den Antibiotika so stimmt glaube ich nicht unbedingt. Seit Bauern und Viehfutterherstelle ihre Tiere mit Antibiotika mästen wird die Auswahl an geeigneten Antibiotika immer kleiner.
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