Kirill Serebrennikow vor Gericht "Die Vorwürfe sind absurd"

Über ein Jahr sitzt der russische Theater- und Filmemacher Kirill Serebrennikow schon in Hausarrest. Jetzt wird ihm wegen angeblicher Untreue der Prozess gemacht.

Kirill Serebrennikow
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Kirill Serebrennikow


Am Mittwoch begann in Moskau der Gerichtsprotzess gegen den Theater- und Filmregisseur Kirill Serebrennikow und drei seiner Mitarbeiter. Die Anklage wirft ihnen vor, bei einem Theaterprojekt 133 Millionen Rubel (ca. 1,7 Millionen Euro) staatlicher Zuschüsse unterschlagen zu haben.

Der Künstler steht seit August 2017 unter Hausarrest. Er ergriff beim Verhandlungsauftakt selbst das Wort und sagte: "Ich habe nichts gestohlen". Die Vorwürfe nannte er absurd und unverständlich. "Ich wusste, dass staatliches Geld bei uns einging", erklärte er, beharrt aber darauf, dass er als künstlerischer Leiter nichts mit den Finanzen zu tun gehabt habe.

Konkret geht es um das Projekt "Platforma". Präsident Dimitri Medwedew wollte, als Wladimir Putin ihm von 2009 bis 2011 den Kreml überließ, die moderne Seite Russlands zeigen. Serebrennikow schlug das Programm vor, das Theater, Tanz, Musik und Medien verbinden sollte. Die Aufführungen von 2011 bis 2014 waren ein Riesenerfolg beim hippen Moskauer Publikum.

Staatsanwaltschaft hält Barsummen für unterschlagen

Wie in Russland üblich, wurden viele Gagen und Auslagen bar bezahlt. Chefbuchhalterin Nina Masljajewa wandelte das Buchgeld aus dem Ministerium bei Firmen gegen Kommission in Bargeld um. Diese Barsummen hält die Staatsanwaltschaft für unterschlagen, obwohl alle Schauspieler und Tänzer entlohnt worden sind und nie eine Aufführung ausgefallen ist.

Doch es hapert an der Dokumentation. Chefproduzentin Jekaterina Woronowa hat nach Abschluss von "Platforma" die Unterlagen vernichtet, wie sie in einem Film der Journalistin Katerina Gordejewa sagt. Woronowa ist im Ausland und wird per Haftbefehl gesucht. Buchhalterin Masljajewa arbeitet als Belastungszeugin mit den Ermittlern zusammen.

Den Gerichtsprozess verfolgen viele Journalisten und Diplomaten vor Ort. Schauspieler aus dem Gogol-Theater waren am Mittwoch dabei, auch die bekannte Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja zeigte ihre Solidarität.

Am Donnerstag läuft Serebrennikows Film "Leto" über eine russische Rockband der Achtzigerjahre in den deutschen Kinos an.



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Seite 1
-su- 07.11.2018
1.
"Doch es hapert an der Dokumentation. Chefproduzentin Jekaterina Woronowa hat nach Abschluss von "Platforma" die Unterlagen vernichtet, wie sie in einem Film der Journalistin Katerina Gordejewa sagt." Das ist doch haarsträubend. Wie kann man nur so dumm sein und solche Unterlagen vernichten. Damit macht man sich doch angreifbar und erweckt den Eindruck was verbergen zu wollen.
muellerthomas 07.11.2018
2.
Und mal wieder schlägt das Putin-Regime zu.
muellerthomas 07.11.2018
3.
Zitat von -su-"Doch es hapert an der Dokumentation. Chefproduzentin Jekaterina Woronowa hat nach Abschluss von "Platforma" die Unterlagen vernichtet, wie sie in einem Film der Journalistin Katerina Gordejewa sagt." Das ist doch haarsträubend. Wie kann man nur so dumm sein und solche Unterlagen vernichten. Damit macht man sich doch angreifbar und erweckt den Eindruck was verbergen zu wollen.
Ah, dem Opfer die Schuld geben... beste FSB-Schule. Schöne Grüße nach St. Petersburg.
k-d.hollbecher 07.11.2018
4. Ja Bauer, das ist ganz was anderes
Ich weiß, wie ein deutsches Gericht urteilen würde, wenn staatliches Geld ohne Nachweis/Belege verschwindet. Ich weiß auch, wie das in Deutschland heißt: Unterschlagung/Veruntreuung. Nun handelt es sich hier aber um einen "Regimkritiker", der zwar der verantwortliche Chef ist, aber beteuert, mit Finanzen nichts zu tun zu haben. Gleiches Recht für alle oder Putin ist schuld.
-su- 07.11.2018
5.
Zitat von muellerthomasAh, dem Opfer die Schuld geben... beste FSB-Schule. Schöne Grüße nach St. Petersburg.
Hier mal ein Beispiel, wie es bei uns läuft http://www.spiegel.de/panorama/justiz/london-harrods-powershopperin-zamira-h-wegen-unterschlagung-festgenommen-a-1237179.html
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