Hotel-Thriller "Bad Times at the El Royale" Zimmer mit Todesaussicht

Dieses Hotel ist die Hölle - und verdient dennoch die beste Bewertung: Drew Goddards Sixties-Thriller "Bad Times at the El Royale" begeistert als brutal überbordende Kinofantasie. Unser Film der Woche!

20th Century Fox

Unsere reiche Kenntnis der Unterhaltungskultur und ihrer Erzählungen kann trügerisch sein. Vermeintlich satt gehört, gelesen und geschaut, glauben wir zwar an den Reiz der Variation, jedoch kaum noch an die Möglichkeit wirklicher Überraschungen. "Bad Times at the El Royale" weiß diesen Umstand zu nutzen: Der neue Film von Autor und Regisseur Drew Goddard ("The Cabin in the Woods") versteht sich darauf, unsere Erwartungshaltungen in einem Moment genüsslich zu befriedigen, um sie im nächsten verblüffend zu unterlaufen. Und das mit weit mehr Hintersinn und Herz, als es die polierte Oberfläche dieses Bastards aus Neo-Noir-Thriller und Sittengemälde zunächst erahnen ließe.

Denn zum Auftakt beeindruckt vor allem der Hauptschauplatz des Films - das nicht etwa an, sondern genau auf der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien befindliche Hotel El Royale - als ein in prallen Farben strahlender Triumph des Set-Designs. Es ist 1969, und das El Royale hat schon bessere Tage gesehen. Die Touristen und Showgrößen auf den gerahmten Bildern in der Eingangshalle haben sich längst neue Attraktionen gesucht, weshalb das Personal nur noch aus dem linkischen Concierge Miles (Lewis Pullman) besteht.

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"Bad Times at the El Royale": Böse Menschen im Hotel

Miles bleibt jedoch nicht lange allein, denn unerwartet treffen in kurzer Folge einige Gäste ein. Neben Staubsaugervertreter Seymour Sullivan (Jon Hamm) suchen auch der katholische Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges), die schwarze Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo) und die Aussteigerin Emily Summerspring (Dakota Johnson) ein Zimmer für die Nacht. Sie sollen indes nicht die einzigen Besucher bleiben, und alsbald wird klar, dass mitnichten alle Anwesenden das sind, was sie vorgeben zu sein.


"Bad Times at the El Royale"
USA 2018
Regie und Drehbuch: Drew Goddard
Darsteller: Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson, Jon Hamm, Cailee Spaeny
Produktion: 20th Century Fox
Verleih: Fox Deutschland
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 11. Oktober 2018


Menschen im Hotel sind seit jeher ein beliebtes Sujet in Literatur und Film, und auf den ersten Blick folgen Goddards Figuren bekannten Mustern: Einige sind auf der Suche, andere auf der Flucht - und alle haben Geheimnisse. Auch verwundert es nicht, dass im El Royale reichlich Ärger auf die ungleichen Gäste wartet. Was hingegen verzückt, ist, wie die eingecheckten Stereotypen in der knalligen Eskalation der Ereignisse an Format gewinnen und sich manche sogar vom eigenen Rollenklischee emanzipieren - wenn sie dafür überhaupt lange genug am Leben bleiben.

Denn Goddard entfacht im El Royale ein erst langsam schwelendes, dann rasant um sich greifendes Fegefeuer für seine exzellent besetzten Figuren. Das speist sich nicht nur aus ihren jeweiligen Biografien, deren zum Teil beträchtlich tiefe Abgründe der Film in kurzen Rückblenden enthüllt, sondern wird zusätzlich durch einen kühn hineingeworfenen, explosiven Sixties-Cocktail befeuert, randvoll mit Verweisen auf Vietnamkrieg, Verschwörungstheorien um Mafia und Regierung sowie Charles Mansons Sektenmorde.

Das Motiv der (Kunst-)Figuren, die sich gegen eine vermeintlich festgeschriebene Vorbestimmtheit stemmen, verbindet "Bad Times at the El Royale" mit Goddards erster Regie-Arbeit, dem doppelbödigen Meta-Horror "The Cabin in the Woods". Dort wie hier geht es nicht zuletzt darum, in einer auserzählten Welt der vertrauten Zeichen um neue, eigene Bedeutung zu ringen. Im El Royale äußert sich dieser Wunsch nach Selbstbestimmung nicht selten in drastischer Gewalt, doch tatsächlich sind es unverhoffte Akte der Zuneigung und Zärtlichkeit, die das Versprechen der Erlösung aus dem Höllenhotel sich tragen.


Im Video: Der Trailer zu "Bad Times at the El Royale"

Fox Deutschland

So gelangt Goddards Film über Stilwillen und Zitatlust hinaus nicht nur zu einer unorthodoxen Moral, sondern zu echter Originalität. Dabei geht er während der sehr flott vergehenden, fast zweieinhalb Stunden Laufzeit verschwenderisch mit einem Erzählreichtum um, der vermutlich locker für fünf Netflix- oder Prime-Serien gereicht hätte. Aber im Gegensatz zum Serienformat bleibt es eben das große Privileg eines Spielfilms, nicht alles potenziell Interessante im Detail auswalzen zu müssen. Stattdessen leistet sich Goddard den Luxus, selbst gerade noch reizvoll zu Protagonisten aufgebaute Figuren mit einem unvermittelten Schrotflintenschuss schnörkellos aus der Geschichte zu verabschieden.

Die Zuschauer, welche sich hoffentlich für diesen Film finden, werden hingegen bis zum so spannenden wie befriedigenden Finale bleiben. Denn schlechte Zeiten im El Royale bedeuten einen sehr guten Abend im Kino.

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butter_milch 11.10.2018
1. Kommen gerade aus dem Kino...
... der Film ist nett, aber kein Must-See, sondern eher schnell wieder vergessen.
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