Beschränkungen für Facebook Für die Nutzer bleibt es lästig

Das Kartellamt bremst Facebook beim Datensammeln. Für Nutzer ist das eine gute Nachricht. Eigentlich. Doch auch ein Verbot wird ihnen kaum nützen, wenn sie sich um ihre Privatsphäre weiter so schlampig kümmern wie bisher.

Facebook-Like-Daumen
imago/ZUMA Press

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Diese Entscheidung gefällt Facebook gar nicht: Das Bundeskartellamt schreibt dem Betreiber des wichtigsten sozialen Netzwerks vor, Nutzern künftig eine neue Wahlmöglichkeit anzubieten. Sie müssen einwilligen oder ablehnen können, dass Facebook Daten über sie auch über Instagram, WhatsApp oder über andere Websites und Apps sammelt und zusammenführt.

Und, das ist der Clou: Nutzer, die dieses Vorgehen ablehnen, sollen trotzdem weiter Facebook nutzen dürfen. Nutzer sollen sich also im Prinzip entscheiden können, ob Facebook nur viel oder (wie bisher) sehr viel über sie weiß.

Die rechtlich umstrittene Entscheidung dürfte so im Sinne vieler Nutzer sein, zu früh freuen ist trotzdem nicht angemessen.

  • Erstens ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig: Facebook kann und will juristisch dagegen vorgehen.
  • Zweitens wurde Facebook nicht das Sammeln und Verarbeiten in Gänze oder in Facebook selbst untersagt. Es geht nur um bestimmte Prozesse, etwa um das Zusammenführen von WhatsApp- oder Instagram-Daten mit denen aus Facebook-Nutzerkonten, Zitat Kartellamt, "in der bisherigen umfangreichen Art und Weise" ohne "freiwillige Einwilligung" des Nutzers. Strengere Vorgaben sollen allerdings für die "Verfolgung von Nutzern im gesamten Internet und in Apps" gelten.
  • Drittens hat Facebook zwölf Monate Zeit, die Wahlmöglichkeit im Netzwerk zu implementieren.

Erinnerungen an die Gesichtserkennung

Beispiele aus der Vergangenheit lassen erahnen, dass es Nutzer etwa im Zuge eines Updates der Nutzungsbedingungen schwer haben dürften, die für sie bessere Option auch tatsächlich auszumachen. Man denke nur an die 2018 aufgetauchte Wahlmöglichkeit von Nutzern, ob sie Facebooks Gesichtserkennung aktivieren oder deaktivieren wollen.

"Bitte überprüfe einige wichtige Updates und Einstellungen", hieß es damals. Dann konnte man simpel auf "Akzeptieren und fortfahren" klicken oder auf die sperrige Option "Datenschutzeinstellungen verwalten", über die sich die Gesichtserkennung ablehnen ließ.

Auf dem Weg dahin zeigte Facebook aber Argumente, warum es vorteilhaft sei, sie aktiviert zu haben. Dann schließlich wurden Nutzer gefragt, ob sie wollen, "dass Facebook mich auf Fotos und in Videos erkennt". Nur wer hier "nicht zulassen" auswählte, hatte die Funktion wirklich ausgeschaltet.

Was Facebook kann, können auch andere

Auch die jetzt kritisierte Datensammel-Praxis, die Facebook beim Anzeigengeschäft hilft, dürfte der Konzern wohl geschickt vorteilhaft für den Nutzer inszenieren - etwa mit dem Verweis auf ein besseres Nutzungserlebnis für alle, die ihr zustimmen. Tech-Konzerne sind gut in so etwas. So ist auch Google kreativ darin, Nutzern Zustimmungen zu bestimmten Dingen abzuringen - und genau deshalb hat das Unternehmen gerade Ärger mit Frankreichs Datenschutzbehörde.

Doch so sehr Kartellamtschef Andreas Mundt jetzt auf eine "klare, informierte und bewusste" Erlaubnis der Nutzer für eine Datennutzung Facebooks pocht und so sehr Europas Datenschutzbehörden mit Millionenstrafen drohen, so klar ist auch: Am Ende müssen Nutzer ihre Daten selbst retten.

Sie sind es, die im Internetalltag abwägen lernen müssen, welche Daten es wert sind, wo preisgegeben zu werden. Oder wo sich der Aufwand lohnt, mitunter gut versteckte Einstellungen in Diensten vorzunehmen, die das Sammeln beschränken.

Elfmeter ohne Torwart

Gerichte und Institutionen helfen zwar, die schlimmsten Fallen zu entschärfen, aber meist erst mit jahrelanger Verzögerung. Und selbst dann gilt oft: Wer sich arglos von Registrierung zu Registrierung klickt, vom ungelesenen Annehmen einer Datenschutzerklärung zur nächsten, der wird - auch in einer möglicherweise datenschutzfreundlicheren Zukunft - oft mehr von sich preisgeben, als er es vielleicht wollte oder müsste.

Auch im Fall der jetzt angefochtenen Datensammlung von Facebook wird es letztlich am Nutzer selbst hängen, ob er die für ihn richtige oder nur die erstbeste Option anklickt, um schnell wieder seine Ruhe beim Chatten oder Foto-Liken zu haben. Vorgaben wie die des Kartellamts bieten Nutzern die Chance auf den sprichwörtlichen Elfmeter ohne Torwart - von allein landet der Ball aber nicht im Tor.

Jedenfalls sollten sich Nutzer keine Illusionen machen: Was die Macht über unsere Daten angeht, liegen die Tech-Konzerne recht weit in Führung. Dazu haben viele Nutzer über die Jahre hinweg beigetragen, wenn auch - wie im Falle von Facebooks Anmelde-Bedingungen - die Spielregeln nicht immer ausreichend fair und transparent waren.



insgesamt 20 Beiträge
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knobi666 07.02.2019
1. Habe meine Daten selbst gerettet
Zitat aus dem Artikel: "Am Ende müssen Nutzer ihre Daten selbst retten." Meine Daten habe ich schon vor Monaten ganz einfach selbst gerettet indem ich meinen Facebook Account für immer gelöscht habe. Mit etwas Glück ist die Datensammelwut nun zumindest etwas eingeschränkt.
ttvtt 07.02.2019
2. alles was ich will
alles was ich will, ist ein Knopf, den ich drücken kann und alle Daten sind gelöscht und man startet jungfräulich neu.
DummerNutzer 07.02.2019
3. Unheimlich ...
... ist das schon, zu wissen dass so ein dubioser Konzern Zugriff auf einen Großteil der Nachrichten hat, die man als WhatsApp-Nutzer täglich sendet und empfängt, ebenso mit wem man kommuniziert. Wir sollten alle umsteigen auf ein anderes Tool, aber das ist leichter gesagt als getan. Vorschlag: ab morgen steigen wir alle um auf Signal Messenger ... Wie wärs? Als Suchmaschine nehme ich mittlerweile Qwant, da wird die Suche immerhin anonymisiert.
1435mm 07.02.2019
4. Der Nutzer will es doch so...
... anders ist es nicht zu erklären, warum sich fast alle, wie die Lemminge bei Facebook/WhatsApp/Instagram rumtreiben. Es gibt gute Alternativen. Spätestens wenn Facebook, wie angekündigt, die Massengerdienste durchlässig macht und man von Facebook nach WhatsApp oder Instagram Nachrichten schicken kann, ist für mich nicht nachvollziehbar wie man dann noch verhindert, dass man nicht bei der großen Datenkrake Facebook landet. Ich habe meine Konsequenzen gezogen. Meine wirklich wichtigen Kontakte sind erfreulicherweise mitgewechselt, die anderen dürfen mit gerne SMS schreiben.
Bernd.Brincken 07.02.2019
5. Nicht-Nutzer
In dem Urteil geht es nur um FB-Nutzer, aber in dem Kommentar z.B. von Ministerin Barley um mehr: "Die Schnittstellen des Konzerns greifen die Daten nicht nur bei den anderen Diensten des Konzerns ab, sondern auch bei zahlreichen Apps und Webangeboten von Dritten" Insbesondere greift FB auch Daten von nicht-Nutzern ab. Durch die Marktmacht hat man das FB-Logo vielen völlig fremden Dienste aufgedrückt, und der Script-Code dort sammelt Daten von _jedem_, nicht nur FB-Nutzern. Auch bei FB-Tochter Whatsapp werden z.B. bevorzugt die ganzen Telefonbücher eingelesen - also auch persönliche Daten von Leuten, die nie danach gefragt wurden, und die keinen WA-Zugang haben. Hängt beides an dem Quasi-Monopol, denn nur damit hat das Unternehmen einen solchen Hebel. Heute sieht man auf manchen Plakaten nur noch einen FB-Link und keinen mehr auf eine normale Website - da hat FB schon den offenen Standard WWW ersetzt. Diese Auswüchse sind schnellstens zu beenden, auf D- oder EU- oder welcher Ebene auch immer.
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