Labour-Chef Corbyn ermuntert Europas Sozialdemokraten zu radikalem Linksruck

Unter Jeremy Corbyn erlebt die britische Labour-Partei einen Boom. Im Gespräch mit dem SPIEGEL verteidigt er seinen scharfen Linkskurs - und fordert andere Sozialdemokraten auf, es ihm gleichzutun.

Jeremy Corbyn
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Jeremy Corbyn


Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn hat Europas sozialdemokratische Parteien zu einem drastischen Kurswechsel ermuntert, um bei den Wählern wieder punkten zu können. "Das Ausmaß an Frust und Verzweiflung in postindustriellen Regionen ist riesig", sagt Corbyn in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Er halte "den Aufstieg der extremen Rechten in Österreich und Deutschland für sehr verstörend". (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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Heft 46/2018
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Linke Parteien in Europa müssten sich fragen: "Wollen wir weiter dulden, dass brutale Sparzwänge ein Wirtschaftssystem dominieren, das Reichtum in die falsche Richtung verteilt?" Labour habe sich unter seiner Führung für eine "radikale Alternative" entschieden und habe Erfolg damit. Bei den Wahlen 2017 war die Partei mit 40 Prozent der Stimmen denkbar knapp hinter den Konservativen gelandet.

Zugleich erteilt Corbyn Hoffnungen eine Absage, der Brexit könne noch verhindert werden: "Wir können den Brexit nicht mehr stoppen. Das Referendum hat stattgefunden, der Scheidungsprozess läuft", so der 69-Jährige. Anders als die aktuelle britische Regierung würde er jedoch "eine neue und umfassende Zollunion mit der EU anstreben", um eine harte irisch-nordirische Grenze zu verhindern und keine Arbeitsplätze zu gefährden.

Den Vorwurf, er toleriere Antisemitismus in seiner Partei, weist Corbyn zurück. "Antisemitismus ist eine widerliche Form des Rassismus. Es gibt keinen Platz dafür in unserer Partei, und er muss aus der gesamten Gesellschaft getilgt werden."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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jös



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
kurzanbinden 09.11.2018
1. er hat mitschuld
er hat Mitschuld am brexit. alle haben ihre Hoffnung auf ihn gesetzt den brexit zu verhindern aber er war muxmäuschenstill. eine Schande für alle linken. und eine herbe Enttäuschung.
m.klagge 09.11.2018
2. Warum nicht?
Selbst extrem kurzes Überdenken der Zukunftsaussichten führt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass dieses aktuelle neoliberale Modell einzig und allein in den Untergang führt. Alles scheint besser zu sein als das hirnlose "Weiter so".
Jor_El 09.11.2018
3. Ich warte noch immer...
... auf die Linke, die sich frei macht von der alten Moskautreue. Ich warte auf die Linke, die für soziale Gerechtigkeit steht, ohne in die Falle von manchmal antisemitischen Verschwörungstheoretikern zu gehen. Ich warte noch immer auf die Linke, die nicht mit palästinesischen Terroristen sympathisiert. Wenn diese Linke kommen sollte, hätte sie meine volle Unterstützung.
dirkcoe 09.11.2018
4. Corbyn hat Recht
Sehen wir uns die Relationen zwischen den gestiegenen Gewinnen der Unternehmen und den Steigerungen der Reallöhne an - der Unterschied ist erschreckend und geht jährlich weiter auseinander. Staatsziel kann nicht die Dividende von Aktionären sein, sondern die Lebensqualität seiner Bürger. Und das ganze Gerede, die Firmen würden dann in Billiglohnländer gehen ist blanker Unsinn. Das Gegenteil ist der Fall, viele Firmen kommen zurück nach Deutschland. Der Lohnanteil an den Produktionskosten wird immer kleiner - weshalb es auch keinen Grund mehr gibt für bescheidene Forderungen der Gewerkschaften.
Bernd.Brincken 09.11.2018
5. Skala, Brexit
Ob die konkreten Maßnahmen der Labour Partei für Großbrittanien richtig sind, mag ich mangels Kenntnis nicht bewerten. Aber klug ist, dass er die rechts-links Skala wieder an der klassischen Frage der Umverteilung ausrichtet; wie das vor 2015 üblich war. Dass an dem Brexit kein Weg vorbei führt, ist aber nicht nachvollziehbar. Sowohl juristisch als auch aus demokratischer Sicht steht dem nichts entgegen. Warum eine sachlich und zeitlich so weitreichende Entscheidung nicht neu bewertet werden kann - überhaupt nicht plausibel.
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