Wettbewerb um CDU-Vorsitz Die Macher hinter den Kandidaten

Viel Zeit bleibt ihnen nicht bis zum Parteitag im Dezember: Wie organisieren und bezahlen Spahn, Kramp-Karrenbauer und Merz ihre Kandidaturen für den CDU-Vorsitz? Einer greift in die eigene Tasche.

CDU-Vorsitz-Kandidaten
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Alexander Cordes ist bei politischen Berichterstattern in Berlin kein Name, mit dem man bis vor Kurzem etwas anfangen konnte. Das gleiche gilt für Manuel Kerber.

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Heft 46/2018
Was Friedrich Merz mit Deutschland vorhat

Kein Wunder: Cordes sitzt eigentlich in Frankfurt am Main und kümmert sich als Managing Partner der Unternehmensberatung Gauly Advisors um strategische Kommunikation im Finanzsektor, Kerber ist Pressesprecher der saarländischen CDU. Aber nun sind beide plötzlich zu wichtigen bundespolitischen Kontaktleuten geworden - Cordes agiert bis zum CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember als Sprecher von Friedrich Merz, Kerber tut dies für Annegret Kramp-Karrenbauer.

In dieser Hinsicht ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dem im Moment allenfalls Außenseiterchancen im Rennen um den CDU-Vorsitz und damit die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze nachgesagt werden, im Vorteil: Marc Degen, der bis zum Parteitag für den Vorsitzenden-Kandidaten Spahn spricht, ist im Berliner Politikbetrieb bestens vernetzt, die beiden arbeiten schon lange zusammen.

Vier Wochen sind es noch, bis die 1001 Delegierten auf dem Hamburger Parteitag über die Merkel-Nachfolge bestimmen: Nicht genug Zeit, um eine echte Kampagne zu entwickeln - aber genug, um Fehler zu machen, die am Ende weh tun können.

Deshalb könnte für die drei Kandidaten entscheidend sein, mit welchen Personen sie sich im verbleibenden Monat umgeben und wer sie berät. Es geht um die eine oder andere Positionierung, vielleicht auch überraschende inhaltliche Vorstöße. Und jeder Satz in einem Interview kann letztlich wichtig sein.

Der Politik-Rückkehrer und frühere Unionsfraktionschef Merz hat es am schwersten, weil er zwar die beiden anderen überrumpelte, als er schon eine halbe Stunde nach Merkels Rückzugsankündigung seine Bereitschaft zur Kandidatur öffentlich machen ließ - doch anders als Spahn und CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer steckte er die vergangenen Jahre nicht im politischen Alltag.

Alle müssen improvisieren

Improvisieren müssen alle drei, dafür kam Merkels Erklärung dann doch zu überraschend, aber Spahn kann wenigstens auf einen Vertrauten und Kenner des Politikbetriebs zurückgreifen und die langjährige saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer auf ihren heimatlichen Landesverband. Merz dagegen muss sich Expertise einkaufen.

Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt und Geschäftsmann, der in den vergangenen Jahren Millionen verdient haben soll, engagierte Gauly Advisors, aus deren Berliner Büro am Pariser Platz nun der Kommunikationsprofi Cordes gemeinsam mit einem kleinen Team die Merz-Kampagne organisiert. Cordes war vor seiner Zeit bei Gauly Advisors Pressesprecher bei Thyssenkrupp, davor arbeitete er für die Commerzbank und die Beratungsfirma Hering Schuppener. Unterstützt werden Cordes und seine Kollegen von Christdemokraten aus Merz' CDU-Kreisverband im Sauerland, etwa bei Social-Media-Aktivitäten, erfuhr der SPIEGEL.

Bei Spahn funktioniert die Sache so: Sein Vertrauter Degen, Vizechef der Leitungsabteilung im Gesundheitsministerium, hat bis zum Parteitag Urlaub genommen, um die Kampagne seines Chefs zu organisieren. Unterstützt wird Degen von der Geschäftsstelle von Spahns Borkener CDU-Kreisverband, der ihn am Freitagabend auch nominieren wird. Dabei geht es ebenfalls vor allem um Social Media.

Die Saar-CDU nimmt die Sache offenbar besonders genau

Weil Kramp-Karrenbauer ihr Amt als Generalsekretärin aus Fairnessgründen bis zum Parteitag weitestgehend ruhen lässt, kann sie für ihre Kandidatur nicht auf die Infrastruktur der CDU-Zentrale zurückgreifen - deshalb kam ihr saarländischer Landesverband mit seinem Sprecher Kerber ins Spiel. Dort scheint man wiederum auf eine klare Trennung zur Staatskanzlei zu setzen, die von Kramp-Karrenbauers CDU-Nachfolger Tobias Hans geführt wird: Für die Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch, auf der sie ihre Kandidatur öffentlich erklärte, mietete der Landesverband nach SPIEGEL-Informationen die Berliner Vertretung des Saarlands an.

Im Video: Kramp-Karrenbauers Auftritt

CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Landesverbands-Sprecher Kerber dürfte sich in den kommenden Wochen allerdings immer wieder mit dem stellvertretenden Bundesgeschäftsführer der CDU und engen Kramp-Karrenbauer-Vertrauten, Nico Lange, abstimmen - dieser will sich bis zum Parteitag im Adenauer-Haus aus allem heraushalten, was die Merkel-Nachfolge betrifft.

Die Koordinierung der Kandidaten-Termine ist bereits in vollem Gange, zum einen bei den CDU-Vereinigungen, die alle drei in den kommenden Wochen einladen werden. Den Anfang machte am Freitag die Frauen-Union. Noch wichtiger sind allerdings die öffentlichen Auftritte, vor allem bei den acht CDU-Regionalkonferenzen. Die erste findet kommenden Donnerstag in Lübeck statt, dann geht es bis zum letzten Termin am 30. November in Berlin kreuz und quer durch die Republik.

Die Regionalkonferenzen dürften deshalb wichtig sein, weil die CDU-Mitglieder die Kandidaten für die Merkel-Nachfolge live erleben können, jeweils mehr als tausend Christdemokraten werden pro Termin erwartet, teilweise könnten es auch mehrere Tausend werden. Vor allem aber finden die Regionalkonferenzen presseöffentlich statt und sollen sogar im Internet übertragen werden - da zählt dann jedes Wort.

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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
dirkcoe 09.11.2018
1. Schon erstaunlich
welcher Aufwand da betrieben wird. Klar, AKK und Merkel sind momentan zeitlich nicht anderweitig eingespannt - aber ist Bundesminister nur noch ein Teilzeitjob? Es würde mich nicht überraschen, wenn einer der hier nicht Genannten am Ende den Vorsitz erreicht. Mal ehrlich - würde ein kompletter personeller Neuanfang der CDU nicht mehr helfen, wie einer dieser drei Kandidaten, die alle negative Punkte vor sich herschieben?
rumax 09.11.2018
2. Egal.
...Wer die 3 Kandidaten berät.alle sind sicherlich besser als die "Berater" der SPD.Nahles, Heil, Stegner und Konsorten wären die ersten, die ich feuern würde. wer hat eigentlich die "Obergranate" Schulz damals beraten?
wi_hartmann@t-online.de 09.11.2018
3. Spahn
Mit Spahn als CDU Vorsitzenden ist die weitere Talfahrt der CDU Programm. Karrieregeil und inkompetent.
einwerfer 09.11.2018
4. Chancengerechtigkeit a la CDU
Alles dreht sich um die drei bekannten Kandidaten, von den anderen erfährt man nichts. Sind die bei den Regionalkonferenzen und den Veranstaltungen der CDU-Vereinigungen eigentlich auch dabei ? Würde man ja mal ganz gerne erfahren. Oder wird nur über diejenigen berichtet, die sich einen Pressesprecher leisten können ?
Papazaca 09.11.2018
5. Eines wird nicht angesprochen: Spahn ...
ist schon aus dem Rennen und ist nur ein Zähl-Kandidat. Wenn er clever ist, zieht er vor dem Parteitag zurück, und verspricht Merz seine Stimmen. Dafür wird er dann auch sicher vom Weihnachtsmann besucht, von dem jeder weiß, das der im Sauerland lebt.
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