Gestiegene Anforderungen Verband fordert 40 Prozent mehr Geld für Hausverwalter

Wohnungseigentümer sollen erheblich mehr für die Hausverwaltung zahlen. Das verlangt der Dachverband der Branche. Die Begründung: Der Aufwand sei auch durch die Politik stark gestiegen.

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Während der Immobilienboom es Baufirmen, Handwerkern oder Grundeigentümern ermöglicht, die Preise kräftig zu erhöhen, sind die Vergütungen der rund 24.000 Hausverwalter in Deutschland nur geringfügig gestiegen. Ihr Regelsatz lag im vergangenen Jahr laut einer Branchenumfrage mit monatlich im Schnitt 20,21 Euro pro Wohnung lediglich 1,5 Prozent höher als im Jahr zuvor; dies bedeutet bei einer Inflationsrate von 1,8 Prozent real einen Verlust.

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Heft 33/2018
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"So arbeitet sich unsere Branche arm", sagt Martin Kaßler, Geschäftsführer des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) dem SPIEGEL. Kaßler fordert die Unternehmen deshalb auf, ihre Vergütungen drastisch anzuheben: um mindestens 40 Prozent.

Kaßler begründet seinen Vorstoß unter anderem damit, dass die Anforderungen an die Verwalter deutlich gestiegen seien. Sie müssten heute mehr als 60 Gesetze und Verordnungen umsetzen, die sich zudem ständig änderten. Solchen Aufwand sollten die Unternehmen den Kunden "konsequent in Rechnung stellen", so der DDIV-Geschäftsführer: "Qualität hat ihren Preis, und den muss der Eigentümer bezahlen." Die Hausverwalter-Branche müsse ihr "mausgraues Image" ablegen, immerhin manage sie treuhänderisch das Vermögen von vielen Millionen Bürgern.

Kaßler leitet seine Vorstellung eines 40-prozentigen Aufschlags aus dem Regelsatz ab, den der Staat für das Verwalten von Sozialwohnungen vorsieht. Er liegt je Wohnung bei monatlich 28,36 Euro.

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde eine Verbindung zu höheren Kosten auch für Mieter gezogen, falls die Verwaltergebühren steigen sollten. Zwar ist wahrscheinlich, dass Eigentümer gestiegene Kosten über Mieterhöhungen zu kompensieren versuchen - per Betriebskosten direkt umlegen dürfen sie die Verwalterkosten aber nicht. Diesen Eindruck erweckte aber der Text. Wir haben ihn entsprechend angepasst.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
felix.leidmann 10.08.2018
1. Also unsere Hausverwaltung erhöht alle drei Jahre um 5 Prozent
Kann natürlich sein, dass Hausverwaltungen, die 20 Jahre nicht erhöht haben (Ironie) 40 Prozent brauchen.
hardline 10.08.2018
2. Automatisiert
Das Argument, der Aufwand sei stets gestiegen, ist nicht richtig. Für fast alles gibt es heute gute Computerprogramme, die den Aufwand im Vergleich zu vor 30 Jahren erheblich reduziert haben.
buhmann 10.08.2018
3. Lächerlich
Diese Forderung ist das so ziemlich lächerlichste was ich dieses Jahr gehört habe. Ein Verwandter von mir arbeitet als Bürohilfskraft bei einem Hausverwalter. Diese Hausverwaltung hat bei nur vlt. einem Dutzend Mitarbeitern mehrere Chefs. Diese haben z.B. ein Meeting auf einer spanischen Insel abgehalten, da es angeblich keine freien Räume in ihrer Stadt in Deutschland gab. Direkt danach wurden dafür aber mehrere normale Mitarbeiter gekündigt. Rechnungen werden ständig den falschen Häusern zugeordnet, wodurch deren Rechnungen teilweise ziemlich ausfallen und nur korrigiert werden, falls sich diese beschweren (und evtl. nicht mal dann). Teilweise wurden auch Arbeiten abgerechnet, die nie durchgeführt wurden. Abschließend kommt hinzu, dass bereits mehrere höhere Mitarbeiter und Chefs über Jahre hinweg Geld in die eigene Tasche umgeleitet haben. Bis zu 500.000 Euro wurden bei einem Einzelfall über Jahre gestohlen. Als dies rauskam, musste die klauende Ex-Mitarbeiterin nur einen Teil des Geldes zurückzahlen (ca. 300.000 Euro). Eine Anzeige gab es bei keinem dieser Fälle, da eine schlechte Presse die Kundenakquise verschlechtert. Und jetzt sollen Hausverwaltungen mehr Geld fordern? Ein Witz!
thomhein 10.08.2018
4. Wucher
Da die Mehrkosten sowieso auf die Mieter abgewälzt werden, die aber nicht mitreden dürfen, haben die Hausverwalter ein leichtes Spiel, ihre Forderungen durchzusetzen. Früher nannte man das Wucher.
weg-ki 10.08.2018
5. Ein Witz
Ich kenne seit 15 Jahren nur Hausverwalter die kaum das Geld wert sind, dass sie bereits fordern. Die haben ein Verwaltungsprogramm als eigentliche Kernkomprtenz. Viele kennen nicht einmal das WEG, geschweige denn gesetzliche Änderungen. Aus der Erfahrung mit mittlerweile fünf verschiedenen Verwaltern kann ich nur sagen, dass ist keine mausgraue, sondern eine dubiose Branche. Wir haben erlebt, das man sich über Eigentümerstimmrechte hinweggesetzt hat, ohne Beschlüsse eine ganze Baumreihe vernichtet hat, vor einer Versammlung musste die Jahesabrechnung vier mal neu erstellt werden, da immer Zahlenfalsch waren oder fehlten. Ein anderer Verwalter hat auf Betreiben einer einzelnen Person, die nicht einmal Eigentümer ist ein denunzierendes Rundschreiben über einen Eigentümer an die Eigentümer versendet. E-Mails werden nicht oder selten beantwortet. Drei mal wurde per Mail auf einen gravierenden Schaden im Mauerwerk hingewiesen- ohne jegliche Reaktion. Ich trage das deshalb vor, weil hier sicher viele weitere Erfahrungen derart im Lande gemacht wurden. Der Verband sollte erstmal seinen eigenen Laden in Ordnung bekommen und seine Mitglieder kontrollieren bevor man sich mit 40% fast die Hälfte der bisherigen Tarife nochmal drauf satteln will...weil es ja so unglaublich überfordernd ist, gesetzlich auf Höhe der Zeit zu bleiben.
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