Rückgang der Aktienkurse Ist die Party an den Börsen jetzt vorbei?

Steigende Zinsen, Angst vor einem Handelskrieg und eine abflauende Konjunktur: Diese brisante Mischung lässt die Börsen erzittern. Droht nun das abrupte Ende des jahrelangen Booms?

New York Stock Exchange in New York
REUTERS

New York Stock Exchange in New York

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US-Börsenhändler erlebten am Mittwoch einen turbulenten Nachmittag: Der US-Leitindex Dow Jones sackte um mehr als drei Prozent ab, am Ende des Tages stand der größte Verlust seit etwa acht Monaten. Der S&P 500, der die 500 wichtigsten Unternehmen der USA umfasst, fiel gar den fünften Tag in Folge - die längste Verlustserie seit fast zwei Jahren.

Vor allem Technologie-Aktien, die die Indizes in den vergangenen Jahren nach oben getrieben haben, fielen deutlich. Netflix, Amazon und Apple verloren binnen Stunden zusammengerechnet fast 120 Milliarden Dollar an Börsenwert. Nach dem Absturz der Kurse an der New Yorker Wall Street rauschten am Donnerstag auch die Börsen in Japan, China und Europa tief ins Minus.

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Erste Börsenhändler und Experten beschreiben die Lage an den Märkten mit drastischen Worten. "Der Dax befindet sich im Crash-Modus", schrieb Martin Utschnieder vom Bankhaus Donner & Reuschel in einer Analyse. Es herrsche Panik am deutschen Aktienmarkt.

Aber ist das wirklich so? Steht der globale Börsenaufschwung, der bald seinen zehnten Geburtstag feiert, vor seinem jähen Ende?

Tatsächlich gab es zuletzt zuhauf Anlass, sich um die Verfassung der Finanzmärkte zu sorgen.

  • Erstens: Anleger plagt die Angst, dass die Zinsen in den USA stärker ansteigen als gedacht. Denn seit Jahren werden die Börsen durch die globale Liquiditätsflut der Zentralbanken angetrieben und gestützt. Das viele billige Geld, das die Notenbanken durch ihr Programm in den Markt pumpen, gaben Investoren aus, um Aktien zu kaufen - auch weil die Alternativen angesichts niedriger Zinsen fehlten. Das trieb die Kurse von einem Rekord zum nächsten. Nun fürchten Anleger, dass es damit bald vorbei sein könnte. Die US-Notenbank Fed hat Ende September den Leitzins angehoben auf bis 2,25 Prozent und will bis Ende 2019 noch vier Mal nachlegen. Zuletzt zogen deshalb die Renditen von Staatsanleihen in den USA an. Wenn Investoren ihr Geld in Anleihen umschichten, drückt das auf die Aktienkurse.
  • Zweitens: Seit Wochen drückt der Handelsstreit zwischen den USA und China auf die Stimmung der Anleger. Sie fürchten, dass sich die Zölle negativ auf die Unternehmensgewinne niederschlagen und den Welthandel erheblich beeinträchtigen könnten. Noch ist unklar, ob es überhaupt zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommt. Aber wenn es soweit ist, wäre das Ausmaß verheerend. Und Investoren verabscheuen an den Börsen nichts so sehr wie Unsicherheit.
  • Drittens: Die Zeit des überschäumenden Wirtschaftswachstums scheint vorüber zu sein. Wegen der Vielzahl an Risiken hat der Internationale Währungsfonds (IWF) jüngst seine Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Der Aufschwung sei zwar immer noch intakt, verliere aber an Fahrt.
  • Viertens: Viele Anleger haben die Sorge, dass es zu einer massiven Schwellenländerkrise kommt. Der starke Dollar und die schnell anziehenden Zinsen in den USA führen schon jetzt zu Kapitalabflüssen aus Brasilien und Argentinien. Einige Staaten könnten erhebliche Finanzierungsprobleme bekommen. Darunter würde wiederum die gesamte Weltwirtschaft leiden.

Anhand dieser vier Faktoren lässt sich klar ablesen, dass die Risiken und Unsicherheiten an den Börsen deutlich zugenommen haben. Aber reicht das schon, um die Börsen so richtig abstürzen zu lassen? Etwa um 20, 30 oder gar um 40 Prozent?

Der Großteil der Ökonomen und Fondsmanager bezweifelt, dass es schon jetzt soweit ist. Denn zum einen hat der Kursverfall wenig damit zu tun, dass es der Wirtschaft oder den Unternehmen tatsächlich schlechter geht. Die Weltwirtschaft zeigt ein robustes Wachstum, die Gewinne und Umsätze der Unternehmen entwickelten sich in den USA zuletzt sehr positiv, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Experten der Schweizer Großbank UBS rechnen damit, dass die Gewinne der US-Unternehmen im dritten Quartal um fast ein Viertel zulegen werden.

Hinzu kommt: Der kurstreibende Effekt niedriger Zinsen könnte den Aktienmärkten eine Weile erhalten bleiben. Einige Experten sehen in der Entwicklung an den Zinsmärkten eher eine Normalisierung der Verhältnisse als eine Gefahr. Denn es wird Jahre dauern, bis die Zentralbanken die Leitzinsen von nahe null auf vier oder fünf Prozent gehievt bekommen - was im langjährigen Durchschnitt niedrig wäre. Zur Erinnerung: Der Leitzins der Eurozone liegt bei null Prozent - und soll mindestens bis Ende des Sommers 2019 auf seinem historischen Niedrigstand bleiben.

Auch die Tatsache, dass so viele Marktteilnehmer über einen baldigen Crash sprechen, bietet Anlass zur Beruhigung. Von einer gefährlichen Euphorie, die oftmals einem abrupten Börsencrash vorausgeht, ist jedenfalls nichts zu spüren. Womöglich sind etwa die Sorgen über einen möglichen Handelskonflikt längst in den Kursen eingepreist.

Auch im Februar 2018, als die Börsen heftig in die Tiefe stürzten, sahen viele den Crash gekommen. Doch einige Monate später erklommen die Börsen neue Rekordstände.

Ob es auch dieses Mal so kommt, ist fraglich. Der Börsenzyklus ist nach neun Boom-Jahren eher im letzten Teil des Aufschwungs angekommen. Da ist es normal, dass es auch mal heftig bergab geht.

Offenbar haben sich viele Anleger zu sehr daran gewöhnt, dass die Börsen nicht mehr schwanken, aber jetzt sind die Schwankungen zurück.



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
Regimekritisch 11.10.2018
1. Kaffeesatzleserei
in schönen regelmäßigen Abständen die gleiche Panikmache. Nur weil Spekulanten nicht mehr Gewinne einfahren. Vor allem diese Meldungen sind doch nur dazu da irgendwelchen Shortsellern in die Karten zu spielen. Davon glaube ich schon mal gar nix mehr
stefan.martens.75 11.10.2018
2. Vielleicht hat Trump recht :-)
Darf natürlich nicht sein. Das Ereignis, das kurz bevor zu stehen scheint, ist aber eine Änderung der Machtverhältnisse im Sinne der Demokraten. Könnte ja jetzt eingepreist werden in die Kurse. Immerhin geht das Börsen-Beben von den USA aus.
Dr. Kilad 11.10.2018
3. Der psychologische Faktor
ist leider beim Börsengeschehen sehr entscheidend. Deshalb sind objektivierbare Gründe nicht ausreichend anzugeben. So kam trotz Anzeichen der Einbruch 2008 für viele überraschend. Umgekehrt kann allein die Crash-Angst nach unten führen. Wichtig ist vermutlich, dass es zumindest wenigstens einige Faktoren gibt, die positiv stimmen. Ansonsten gilt wohl: Finanzmarktorientierung ersetzt keine funktionierende Marktwirtschaft, sondern kann dieser erheblich schädigen.
Allgemeinbetrachter 11.10.2018
4. ein virtueller Markt...
ein Schreit "Oh Nein" Handelskrieg, Ölkrise, Imobilienblase, Finanzkriese, Einbruch des BIP usw. und schon wird überall Panik gemacht... . Das muss anscheinend so sein. Bad news good news oder wat. Hey Leuts... die Welt dreht sich weiter auch ohne euch Spekulanten. Eigentlich brauchen wir euch nicht. Am besten Weltweit den Mist schließen und gut is. Eure Prognosen sind ja eh immer falsch. Ich hab für sowas keinerlei Verständnis mehr.
Andraax 11.10.2018
5.
Zitat von stefan.martens.75Darf natürlich nicht sein. Das Ereignis, das kurz bevor zu stehen scheint, ist aber eine Änderung der Machtverhältnisse im Sinne der Demokraten. Könnte ja jetzt eingepreist werden in die Kurse. Immerhin geht das Börsen-Beben von den USA aus.
Die Demokraten manipulieren die Presse, die Börse, das Klima, die Umlaufbahn der Erde und die Gravitationskonstante des Universums, weil sie die verlorene Wahl nicht verdauen können. Welche anderen Verschwörungstheorien passen noch die Realität von Trumpisten?
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