Abkühlung des Welthandels Deutsche Exporte sinken

Die deutsche Wirtschaft bekommt die Folgen der schwächeren globalen Konjunktur und zunehmende Handelshürden zu spüren. Auch für die nächsten Monate rechnen Experten mit schwachen Zahlen.

Container am Terminal Tollerort in Hamburg (2018)
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Container am Terminal Tollerort in Hamburg (2018)


Weltweit lieferten deutsche Unternehmen im September Waren im Wert von insgesamt 109,1 Milliarden Euro aus, das waren 1,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. "Die Abkühlung der Exporte im dritten Quartal war fast greifbar. Besonders schmerzt der Rückgang auf so breiter Front, auch wenn er sich auf dem europäischen Markt in Grenzen hält", sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA). Einzig das Geschäft mit den Euroländern wuchs in den vergangenen Monaten.

Auch für die nächsten Monate rechnen Experten mit einer schwachen Entwicklung. Der BGA hatte jüngst seine Prognose eingedampft. Der Verband rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem Exportwachstum von nur 3,5 Prozent nach ursprünglich erwarteten fünf Prozent. Grund dafür ist der weltweit zunehmende Protektionismus und Risiken wie der anstehende Brexit.

Deutschland führt seit Jahren zwar mehr aus, als es einführt. In der Außenhandelsbilanz ergab sich im September so ein Überschuss von 18,4 Milliarden Euro. Tendenziell sinkt der Überschuss allerdings seit einer Weile, weil die Importe zuletzt stärker stiegen als die Exporte. Im September legten die Einfuhren um 5,3 Prozent auf 90,7 Milliarden Euro zu.

Nach Einschätzung von ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski belasteten auch die Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard (WLTP) die Exportbilanz im September. Weil nicht alle Automodelle rechtzeitig eine Genehmigung für eine Neuzulassung hatten, mussten Hersteller die Produktion drosseln. Der Sachverständigenrat der Bundesregierung rechnet deshalb damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal erstmals seit 2015 wieder geschrumpft ist. Das Statistikamt veröffentlicht dazu in der kommenden Woche seine erste Schätzung.

Auf internationaler Ebene machen vor allem die von US-Präsident Trump angeheizten Streitigkeiten dem Welthandel zu schaffen, insbesondere der Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China. Durch sogenannte "Vorzieheffekte" profitiert China allerdings zurzeit noch von diesem Konflikt Aus Furcht vor höheren Kosten infolge weiterer Strafzölle kauften viele US-Unternehmen verstärkt in der Volksrepublik ein. Chinas US-Exporte legten deshalb im Oktober um mehr als 13 Prozent zu. Die Regierung in Washington droht damit, die Zölle auf zahlreiche Produkte auf 25 Prozent von derzeit zehn Prozent anzuheben.

rol/dpa/Reuters



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hamburger-humanist 08.11.2018
1. Begrüßenswert
Ein sinkender deutscher Exportüberschuss ist eine gute Nachricht. Man kann nicht ständig Überschüsse im Ausland erzeugen, also Verschuldung, und sich dann über die Verschuldung des Auslandes aufregen (Stichwort Italien). Leider wird der Zusammenhang zwischen Außenhandelssüberschuss und Verschuldung des Auslandes von den wenigsten verstanden....
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