Satellitenbild der Woche Die 148-Millionen-Quadratkilometer-Karte

Rund um die Uhr vermessen zwei deutsche Radarsatelliten die Welt. Ein daraus entstandenes Höhenmodell zeigt die gesamte Landoberfläche der Erde in faszinierender Detailtiefe.

DLR

Seit mehr als zwölf Jahren fliegt der deutsche Satellit "TerraSAR-X" um die Erde - und seit mehr als neun Jahren hat er mit "TanDEM-X" auch einen Zwilling. Beide fliegen in sehr geringem Abstand zueinander um die Erde. Teilweise betrug die Distanz gerade einmal 120 Meter.

Auf ihrem Flug sehen die Satelliten die Landschaft unter ihnen jeweils mit einem minimal anderen Blickwinkel. Fasst man nun die Messungen der beiden Radarinstrumente zusammen, lässt sich daraus ein Höhenmodell der Erde errechnen.

Eine so entstandene Landkarte hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in dieser Woche veröffentlicht. Sie umfasst die gesamte Landoberfläche des Planeten, mehr als 148 Millionen Quadratkilometer. Das DLR wirbt damit, dass die absolute Höhengenauigkeit bei einem Meter liegt.

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TanDEM-X: Radarblick auf die Erde

Die veröffentlichten Informationen seien 30-mal präziser als andere globale Datensätze. Außerdem sei die Erde erstmals mit einheitlicher Genauigkeit und ohne Lücken erfasst worden.

Für die Programmierung von Marschflugkörpern interessant

Die Forscher haben in Wahrheit allerdings mehrere Datensätze mit mehreren Genauigkeitsstufen erstellt. Der präziseste hat eine räumliche Auflösung von nur 12 Metern, ein weiterer eine Auflösung von 30 Metern. Der nun veröffentlichte Datensatz verfügt dagegen über eine Auflösung von 90 Metern - und ist kostenfrei für die wissenschaftliche Nutzung verfügbar.

Man rechne mit mehreren Hunderttausend Downloads in den kommenden Monaten, hieß es beim DLR. Bereits jetzt arbeiteten schon mehr als 2400 Wissenschaftler aus 70 Ländern mit den Radardaten von "TanDEM-X" und "TerraSAR-X".

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Ein kleines Problem gibt es jedoch: Die Mission war ein öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt. Die feiner aufgelösten Höhenmodelle müssen Kunden bei Airbus kaufen. Zu diesen Kunden zählt auch die Bundeswehr.

Obwohl das Wirtschaftsministerium über das ihm unterstellte DLR bereits Zugriff auf die Daten hatte, wollte das Verteidigungsministerium die Informationen noch einmal kaufen - für rund 400 Millionen Euro. Begründung: Die Informationen sollten auch mit befreundeten Nationen geteilt werden. Militärisch ist ein Höhenmodell unter anderem für die Programmierung von Marschflugkörpern oder Tiefflüge mit Kampfjets interessant.

Geplante Lebenszeit längst überschritten

Kritiker hatten moniert, dass der Bund dabei zweimal zahle: erst den größeren Teil der Kosten für das Radarsatellitensystem - und später noch einmal für die Nutzung der damit gewonnenen Daten. Hinter den Kulissen hieß es zur Begründung: Die USA hätten sich massiv dafür stark gemacht, die Radardaten von Deutschland zu bekommen - und damit gedroht, sonst selbst keine hochauflösenden Bilder von Spionagesatelliten mehr zur Verfügung zu stellen.

Immerhin, eine gute Nachricht gibt es: Die Satelliten funktionieren technisch einwandfrei und verfügen über genügend Treibstoff - dabei ist die geplante Lebenszeit von nur fünfeinhalb Jahren längst überschritten. Aktuell, so heißt es beim DLR, sei man gerade dabei, ein weiteres Höhenmodell aufzunehmen. So ließen sich Unterschiede zum letzten Datensatz erkennen, die zum Beispiel auf Erdbeben, Gletscherschmelze oder das Tauen von Permafrostböden zurückgehen.

chs



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